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  • tamarautinu

Ende Griechenland, Anfang Türkei

Wie schon seit einigen Tagen sind wir der Meinung, dass wir wohl heute über die Grenze in die Türkei fahren. Doch dieses Griechenland ziiieht sich. Am Morgen wollen Jon und Meo wieder einmal bittebitte noch länger bleiben, hier ist doch der absolut beste Platz bis jetzt mit dem Fluss und den Wasserfällen und den Bächlein und sie hätten doch das Schiffsrennen noch nicht beendet und sowieso. Wir bleiben also bis nach dem Mittagessen unter den grossen Platanen (wo doch ausnahmsweise die Sonne scheinen würde…) und fahren dann weitere 2-3 h Autobahn. Die Stimmung ist mässig, Jon und Meo hätten noch länger bleiben wollen und das aktuelle Hörbuch ist nicht sehr unterhaltsam. Auffallend ist die grosse Stromproduktion: immer wieder Felder voller Solarpanels, Windräder, ein Atomkraftwerk…Wir schaffen es immerhin bis an Thessaloniki vorbei und ich suche den nächsten Stellplatz. Zur Auswahl stehen ein Parkplatz direkt am Fluss mit einer kleinen Wanderung von dort weg oder ein Platz auf einer Wiese, von der aus es nicht weit ist bis zu einer anderen Wiese mit Schildkröten und zum Fluss. Die Mehrheit stimmt für den Platz näher am Fluss. Der sich als Parkplatz eines Restaurants entpuppt, nicht direkt am Fluss, aber der Fluss ist schön und wir sind müde. Natürlich beginnt es genau jetzt wieder zu regnen. Wir sitzen also im Auto bis es aufhört, parken noch unter eine Pinie für den nächsten Guss und lesen. Als es wieder einigermassen aufgehört hat nehmen wir den Hörnlisalat hervor (eines der wenigen Male, dass wir Resten haben. Ben isst wie der Teenager im Büchlein steht. Passt uns hinsichtlich der Resten sehr gut!). Danach laden wir den jungen Deutschen, der neben uns übernachtet, auf ein Glas Wein ein und er lässt sich Scout erklären und spielt mit.

Am nächsten Morgen geht’s auf eine Familienjoggingtour. Schon bald verlassen wir den Weg zu Gunsten der verlassenen Eisenbahngeleise (jammerschade, dass wir da keine Bilder haben), welche durch mehrere Tunnels führen (Taschenlampe hatten wir dabei), um uns dann irgendwann durch das Gebüsch zu schlagen, um auf dem offiziellen Weg zurück zu joggen. Die Aussicht auf den breiten, dunkelgrünen Fluss ist schön, das Vorbeikommen an der braunen Schlange, die quer über dem Weg liegt, weniger. Beim Restaurant geht’s direkt in den kalten Fluss, solange wir noch erhitzt sind, dann trinken wir noch einen Kaffee als Parkgebühr und ziehen weiter – heute tatsächlich bis in die Türkei, die uns mit einem unglaublichen Portal mit riesiger Türkeifahne empfängt, damit auch sicher allen klar ist, dass sie hier ein wirklich grosses, einmaliges Land betreten. Davor braucht der griechische Zoll schon einiges an Zeit und dann noch der türkische..! Immer wieder werden alle Pässe und Fahrzeugausweis verlangt, diesmal auch die grüne Versicherungskarte, und ob wir was zu verzollen hätten? Sicher nicht? Fleisch, Käse, Motorrad?

Schliesslich ist es geschafft und wir rollen auf einer piccobellen Strasse in das Land, auf das wir uns schon lange freuen. Schon bald fällt uns eine Kuhherde auf, das haben wir schon lange nicht mehr gesehen, danach aber vor allem Landwirtschaft. Wir fahren noch bis auf eine Landzunge und parken dort direkt am Meer (wobei wir den Untergrund genau ansehen und in Strassennähe stehen, damit wir es nicht weit hätten, sollte sich der Untergrund mal wieder über Nacht in ein Schlachtfeld verwandeln). Als Tinu bemerkt, dass sie das Frisbee am letzten Strand liegen gelassen haben, sackt die Stimmung in den Keller.


Und sie wird am Morgen noch schlimmer, denn er liess seine Schuhe über Nacht unter dem Auto stehen, wo sie sich wohl einer der mitten in der Nacht um unser Auto bellenden Hunde geschnappt hat. Der eine taucht bald auf, den anderen suchen wir alle weit über eine Stunde, aber es scheint aussichtslos. Irgendwann fahren wir weiter in den Süden zum Alzac Strand, der im 1. Weltkrieg recht bedeutend war, vor allem auch aus türkischer Sicht, da die zahlenmässig unterlegenen Ottomanen dort die Engländer und dann auch ihre Verbündeten in einer blutigen Schlacht daran gehindert hatten, Istanbul und die Dardanellen einzunehmen und so den Bosporus zu beherrschen, der via Schwarzes Meer eine entscheidende Verbindung für Russland darstellte. Das Museum ist nicht schlecht, die Multivisionsshow etwas gar voller Epos und Heldenverehrung und voller wiefantastischhabendieTürkengegendie-eingebildetenEngländergekämpftdiedieTürkeiunddenIslamausrottenwollten..aber auch interessant, ihren Blickwinkel zu sehen und festzustellen, dass die Show viele Türken und Türkinnen zu Tränen rührt. Die Schlacht war 1915. Und wir haben dann vielleicht auch einen etwas anderen Blick auf all die, zum Teil riesigen, Türkeifahnen, die man überall antrifft.



Während der Mittagspause schwirrten vor uns Bienenfresser umher (sie sind leider sehr scheu, aber ein paar Bilder waren möglich)

Nach dem Museum setzen wir dann mit der Fähre nach çanakkele über und suchen dann eine Weile den lausig angeschriebenen «öko» Campingplatz, den wir vor allem wegen der dringend benötigten Waschmaschine ansteuern. Nach all den enthusiastischen Bewertungen bin ich etwas enttäuscht, aber voilà. Die erste Maschine ist noch am gleichen Abend fertig und wir brauchen alle Spanset und Wäscheaufhängvor-richtungen, die wir dabei haben, um all die Kleider aufzuhängen. Als wir zu Bett gehen wollen, kommt der eine vom Camping noch mit Taschenlampen vorbei und bittet darum, mit den Jungs an den Strand gehen zu dürfen. Die Jungs finden es nicht halb so gefährlich und aufregend, wie er sich das wohl gedacht hatte, es passiert ja auch nicht viel, aber sie amüsieren sich königlich mit ihm und es ist eine perfekte Erfahrung, um zu verstehen, warum man Fremdsprachen lernt. Und so wollen die auch diesmal am nächsten Morgen noch einen Tag bleiben. Und da wir eine Pause durchaus gebrauchen können, und die Bettwäsche noch nicht gewaschen ist, und der anstrengende Wind den Tinu zum Surfen verlockt, bleiben wir. Und mir fällt ein weiteres Geschenk dieser Reise auf: es ist wie eine zusätzlich geschenkte Kindheit für die Jungs. Natürlich müssen sie hie und da Schule machen mit uns und mit uns weiterziehen und sich mal was ansehen…aber insgesamt haben sie sehr viel Zeit zum völlig unbekümmerten Spielen. Und ihnen fällt ja immer was ein, und da wir oft weiterziehen gibt’s ja auch ständig neues zu entdecken. Das ist schön zu beobachten.

Abends ergibt sich dann ein Gespräch mit einem deutschen Päärchen in unserem Alter und der Patron lädt uns ein, an einem seiner Tische einen Raki zu trinken. Wir breiten die Türkeikarte aus und sie erzählen uns, wo es ihnen besonders gut gefallen hat und Medit bringt immer wieder Teller mit Früchten und Sonnenblumenkernen, die Kinder braten Marshmallows auf dem entzündeten Feuer und unterhalten sich trotz des grossen Altersunterschieds bestens. So geht ein schöner Abend vorbei und am nächsten Tag ziehen wir weiter – doch zuerst gilt es, die Rechnung zu begleichen. Und die enthält dann nicht nur die Übernachtungen und die Waschmaschinengänge, sondern auch den Raki, das Feuer, die Früchte…ein bitterer Nachgeschmack, dass das, was scheinbar so grosszügig offeriert wurde («ich bringe gerne Menschen zueinander»), dann knallhart verrechnet wird. Hätten wir gerne vorher gewusst. Voilà. Weiter geht’s nach Izmir.

Tamara


PS: ein Taucher, dem Tinu beim Wing foilen begegnet war, schenkte ihm Muscheln, die es anscheinend genau nur zu der Zeit gab, und die Campingplatz Gastgeber erklärten uns, wie wir sie zubereiten mussten. Aber naja, richtig warm wurden wir nicht damit...

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