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  • tamarautinu

Soldatenüberfall


Wir erwachen mitten auf einem Holzerplatz im Wald. Obwohl unser Schlafplatz fern ab von jeglichem Verkehr liegt hat Tamara schlecht geschlafen. Was beeinflusst, ob wir gut schlafen? Für Kinder und Eltern gelten unterschiedliche Regeln. Bei den Jungs ist das einfach: Sind sie einmal erwacht in der Nacht, dann war es eine schlechte Nacht. Meistens sind es aber gute Nächte, unabhängig davon, unter welchen Umständen wir schlafen. Für Tamara und mich spielen einige andere Faktoren mit. Wem gehört der Schlafplatz? Wird dieser angeboten, ist sozusagen offiziell, dann kann die Nacht trotz etwas Lärm gut sein. Beispiel in Sophia. Dort schlafen wir mitten in der Stadt auf einem kleinen, privaten Stellplatz. Die Tore sind gut verschlossen. Strassen und Metro machen die ganze Nacht über Lärm. Schlafen können wir trotzdem. Ähnlich war es in Istanbul. Wenn wir wild stehen hängt vieles vom Gefühl ab. Ist man hier erwünscht? Oder höchstens geduldet? Können wir die Geräusche der Nacht zuordnen? Sehr unangenehm ist, wenn mitten in der Nacht ein Auto kommt, ev. sogar stoppt. Was will es hier? Wüsste man, dass es ein Jäger ist, der auf die Pirsch geht, man würde sofort weiterschlafen. Mir ist es passiert, dass ich ca. um 02.00 Uhr habe ein Auto vorbeifahren hören. Dummerweise konnte ich mich nicht erinnern, wo unser Auto stand. Lange lag ich im Bett und versuchte mir unseren Schlafplatz vorzustellen. Erst als ich wusste wo wir stehen wusste ich auch, dass dieses Auto dem angrenzenden Nachbarn gehört, der angekündigt hatte, dass er in die Stadt fahre und später wieder zurückkomme. Heute Nacht ist in den frühen Morgenstunden ein Auto vorbeigefahren. Tamara konnte es nicht einordnen. Weshalb fährt um 5 ein PW durch den Wald? Für mich war es ganz klar: der Forstwart. Er muss die Waldarbeiten vorbereiten. Weiterschlafen.

Während dem Frühstück fährt eine Ambulanz vor. Auf der anderen Seite der Waldlichtung hält das Auto, zwei junge Soldaten steigen aus. Ich gehe auf sie zu und frage, ob sie einen Kaffee trinken möchten. Dabei erzählen sie mir, dass an diesem Tag einige Soldaten an diesem Platz vorbeimarschieren werden. Als Teil einer Sportübung.

Etwa eine Stunde später, wir sind grad mitten in der Schule, kommen erste Soldaten an. Etwas erstaunt sind wir, dass diese Soldaten sich genau an unserem Platz niederlassen. Noch erstaunter sind wir, dass der Strom von Männern in Tarnfarbe nicht aufhören will. Während einer Stunde kommen pausenlos Soldaten an und lassen sich im umliegenden Wald nieder für eine kleine Pause. Als der Strom versiegt, schätzen wir die Gesamtzahl auf deutlich über 1000 Rekruten, Offiziere und irgendwelche hohen Tiere, die in PW’s angefahren waren um die Übung zu beobachten. Und alle sitzen verteilt um unser Auto in den Büschen. Ihre Pause dauert ca. 45 min, dann während einer Stunde Abmarsch in derselben Reihenfolge. Dazwischen werden wir informiert, dass wir keine Fotos schiessen dürfen, da wohl die Übung geheim ist?? Dafür erhalten wir Soldaten-Isostar und süsse Energiebomben aus Zucker und Honig geschenkt. Als der Spuck vorbei ist durchforstet Ben die Büsche und findet überall kleine Büchsen mit Notproviant.



Nach etwas Unterricht machen wir uns auf die Ereignislose Fahrt Richtung Schwarzmeerküste. Amasra ist ein schön eingebettetes Städtchen zwischen Meer und Felsen. Sehr touristisch (aber fast ausschliesslich türkische Touristen), aber mit ziemlich viel Charme. Wir feiern frühzeitig den Geburtstag von Erika mit einer Torte und nutzen das Internet eines kultigen Kaffeelokals am Strand. Der Cappuccino ist hervorragend. Tamara kauft zwei schöne T-Shirts, die Jungs eine Gummelipistole. Die Nacht schlafen wir auf dem grossen Parkplatz mitten am verschlafenen Hafen. Trotz Lärm schlafen wir hervorragend – das Schlafen auf dem Platz ist gegen ein kleines Entgelt offiziell erlaubt.

Tinu




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