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  • tamarautinu

Von den Dünen über geflickte Sandalen zum Wolkenbruch

Vom grauen Fluss aus gings dann weiter südlich zum riesigen Strand von Patara, den wir vor allem wegen seinen Dünen besuchen wollten. Als wir uns ihm näherten, stand plötzlich ein Häuschen mit Barriere vor uns. Aha, Eintritt. Nun gut. Ich stieg aus und fragte nach, wie teuer es sei. Nur für den Strand koste es 30.- für uns als Familie, mit Besichtigung der Ruinen 40.-! Das ist horrend teuer für die Türkei, fänden wir doch auch in der Schweiz teuer, oder? Ich sagte ihr also, das sei für uns als Familie wohl zu teuer und wir kehrten um. Ein paar Kilometer weiter konnte man dann ohne Eintritt (und ohne Ruinen) parkieren und über die Dünen hinunter an den Strand gehen. Die Jungs und Tinu hatten ihren Spass mit Hinunterhüpfen auf den Dünen, rennen, Saltos, allerlei Sprünge. Der Strand unten war uns dann eher zu weit und langweilig. Nach einer Stunde Hitze machte wir uns wieder an den Aufstieg, dann kochten wir oben unter den Dünen und machten noch etwas Schule. Anschliessend fuhren wir nicht sehr viel weiter an eine schöne Bucht. Leider mussten wir etwas weiter oben auf einem nicht nennenswerten Parkplatz parkieren, aber die Bucht war schön in den Felsen gelegen mit schönem, türkisfarbenen Wasser (keine Seltenheit in der Türkei). Tinu liebäugelte mit einem Platz weiter unten mit wunderschöner Aussicht aufs Meer, aber der war voller Abfall (ein grosses Problem in all den Ländern, die wir bis hier bereisten), ziemlich uneben und das grösste Aber: der Wiederaufsteig sehr steil, schmal und an manchen Stellen konstant matschig, weil oben Brunnenwasser auslief. Also drei Aber, weswegen ich dagegen stimmte. Was Tinu (nach einschlägiger Erfahrung) akkzeptierte. Wir packten also eine Tasche mit Schnorchel etc und verbrachten noch etwa 2h in der Bucht. Tinu entdeckte einen Rochen, der ihn aber bald abhängte, und ich sah etwas später nur noch einen kleineren. Die Jungs tauchten wir immer nach Fischergewichten. Beim Kochen oben auf dem Parkplatz legte es eine Zikade darauf an, mein Trommelfell zu platzen, und da sich mit einbrechender Dunkelheit viele Mücken und anderes Gefleuch einfanden, sassen wir auch an diesem Abend nicht lange draussen.


Am nächsten Tag verbrachten wir nochmals ein paar Stunden in der Bucht, leider ohne grosse Sichtungen, dafür fanden die Jungs einen Felsen, von dem sie ins Meer springen konnten. Danach gings Richtung Kas, wo wir auf einen Camping wollten, der uns empfohlen worden war, da wir eine Waschmaschine ganz gut wieder mal hätten gebrauchen können. Wir wussten schon, dass er für die Türkei eher teuer war, da er aber sehr teuer war und niemand von uns unbedingt bleiben wollte, fuhren wir weiter in die Nähe der versunkenen Stadt, mit dem Plan, dann am Morgen beizeiten aufzustehen, um so vor dem grossen Bootsandrang über die versunkenen Häuser schnorcheln zu können. Wir fuhren also ein Stück weiter, entdeckten eine Markt unter aufgespannten Tüchern, und schlenderten eine Weile in der Hitze umher. Ein schönes, buntes Treiben. Die gekauften Erdebeeren war dann zwar eine Enttäuschung, aber die riesengrossen Physalis waren wunderbar. Ausserdem kauften wir uns Pide zum Zmittag, eigentlich eine türkische Variante der Pizza, aber viel günstiger. Dazu gab es Ayran. Dann gings noch eine ganze Weile über kleine Strässchen, durch ein ganz enges Dörfchen, durch die Pampa, über eine grossen Platz gestampfter Erde, wo Schiffe geflickt wurden, über einen sonnengebackenen Platz, auf dem ein paar Autos standen auf eine kurzes, okkerfarbenes Strässchen, das nach hundert Meter im Nichts voller wilder Möhren endete und parkierten. Links von uns stand ein Hügel mit einer Burg und irgendwo dahinter musste wohl die versunkene Stadt liegen. Wir breiteten das Solarpanel auf dem Dach aus und machten uns auf eine Erkundungstour. Zum Glück entdeckten wir Fussgänger, die den Hügel herabkamen – wir mussten uns also nicht durch die Büsche schlagen. Obenauf dem Hügel standen ein paar lykische Gräber, sehr beeindruckend, und von dort aus suchten wir einen Weg hinter. An der Burgmauer lebten ein paar Hühner, dahinter sah es nach ein wenig Zivilisation aus. Wir gingen zaghaft weiter, unsicher, ob wir da Privatbesitz betraten, und vor uns, auf der anderen Seite des Hügels, tat sich ein ganzes Dörfchen auf. Ein buntes, mit Bougainvillea und Trauben überwachsenes, buntes Örtchen, das zwar ganz eindeutig vom Tourismus lebte und trotzdem voller Charme war. Total verwinkelt, komplett unübersichtlich, privates, öffentliches und touristisches so ineinander verschlungen, dass man sich staunend seinen Weg ertastete. Immerhin fanden wir heraus, dass Bootsfahrten und auch die Kayakmiete sehr teuer waren und dass die versunkene Stadt vorne zwischen den beiden Felsen liege. Wir suchten uns also wieder einen Weg zurück durch das Gewirr, kletterten unten halb über die Burgmauer und fanden so wieder den Weg zurück auf unser Feld, wo es grad noch für ein Birchermüesli und den Abwasch reichte, bevor die Mücken zu sehr angriffen.

Am nächsten Morgen machten wir uns also mit Schnorchelmaterial, Tinus Wingfoil Brett, einem aufblasbaren Wellenbrett und den beiden Neoprenanzügen auf den Weg über den Hügel. So ausgerüstet schien uns, sollten wir alle eine längere Zeit und Strecke im morgendlichen Meer aushalten. Wir fanden auf Anhieb eine perfekte Einwasserungsstelle und schwammen los auf der Suche nach dieser versunkenen Stadt, über die wir leider fast gar nichts wussten. Ben und Jon wurden natürlich gleich mit der Suche nach Fischergewichten abgelenkt, Tinu half mit, Meo und ich machten uns auf den Weg zum nächsten Felsen, da beim ersten nichts städtisches zu finden war. Auch dort fanden wir nichts Nennenswertes, auch wenn man hier doch ein angedeutetes Zimmer sehen konnte. Wars das schon? Wäre auch egal gewesen, denn so in der Morgensonne über das ruhige Meer zu schwimmen und zu paddeln (Meo fand es super auf Tinus Foilbrett) war wunderschön! Beim nächsten Felsen, der aus dem Wasser ragte, sah es dann schon eher nach etwas Zivilisation aus. Eine Treppe war aus dem rauhen Felsen herausgehauen worden, ein Trinkwasserbecken angelegt, und was da überall am Boden verstreut lag, waren wohl Ziegel. Ausserdem schwamm ein Schwarm Fische malerische herum und wie gesagt, die Stimmung war sehr, sehr schön. Deswegen war denn auch niemand wirklich enttäuscht, dass hier weniger zu sehen war, als wir erwartet hatten (immerhin konnte das charmante Dörfchen von dieser «Stadt» leben, da waren wir schon von etwas mehr ausgegangen). Wir schwammen den beträchtlichen Weg wieder zurück, und als die Jungs gar nicht mehr vom Brett wollten und immer neue Ruderspiele erfanden, liessen wir sie eine Weile weiterspielen und gingen derweil ins Dörfchen am Hang, denn diesmal hatten wir Geld dabei und wollten uns gerne einen Kaffee kaufen. Der Besitzer des Restaurants war zwar unfreundlich und der Kaffee verhältnismässig teuer, die Stimmung dort am Wasser inmitten der Boote trotzdem schön.

Von dort aus gings an den Mavikent Beach, von dem uns vorgeschwärmt worden war. Dort sei eine ganze Camperkommune, schöne Atmosphäre, morgens komme jemand mit frischen Brötchen vorbei. Wir reihten uns also ein in die Reihe der Camper, überwiegend Türken, wo wir ganz selbstverständlich aufgenommen wurden. Der Nachmittag war bretschheiss, wir stellten sofort das Vorzelt auf und gingen uns Meer. Hier hatte es zum ersten Mal Wellen. Die Jungs waren unermüdlich. Neben uns war ein altes türkisches Paar, er stellte in präziser Handarbeit Fischfallen aus dickem Draht her, sehr faszinierend. Als er sah, dass ich mich daran machte, Meos Sandalen zu flicken, winkte er mich herüber. Ich solle von seiner gewachsten Schnur nehmen und besser seine Zange benutzen, um die Nadel durch die Sohle zu ziehen. Ausserdem wäre es doch besser, zuerst eine kleine Kerbe in die Sohle zu schnitzen, liess er mich auf Türkisch und mit seinen Händen wissen. So sass ich den halben Nachmittag neben ihm, einträchtig in unsere Arbeit vertieft, seine Frau lächelte mich hie und da herzlich an und sass neben dran. Schön.

Als ich mich dann aufmachte, um in der Nähe der Jungs zu sein, da mir nicht wohl war, wenn sie alleine in den Wellen waren, sprang nicht allzu weit draussen ein Delphin aus dem Wasser. Leider nur zwei Mal, weswegen ihn sonst niemand mehr sah. Die Jungs konnten fast nicht mehr aufhören. Schliesslich riefen wir sie aus dem Wasser, weil es dunkel wurde. Als die Jungs im Bett waren, wurden wir von unseren Nachbarn links zum Tee eingeladen. Der eine glich in seiner Mimik und in seinem Ausdruck einem meiner Brüder, ein türkischer Roli quasi, und so verbrachten wir den Geburtstag meines anderen Bruders mit einer türkische Ähnlichkeit unseres gemeinsamen Bruders. Ihr Englisch war nur leicht besser als unser Türkisch und ihr unsorgfältiger Umgang mit Google Translate sorgte für ein paar Lacher (Die Frau in diesem Karavan ist eigentlich eine gute Köchin aber zur Zeit ist sie ein Witz. Oder: wir können uns nach 25 Jahren in den Ruhestandversetzen lassen, Banane)

Am nächsten Tag wollten sie alle einen weiteren Tag bleiben. Tatsächlich kam ein kleiner Klapperkarren mit Körben auf dem Rücksitz, die gefüllt waren mit frischen Brötchen. Wir spielten eine Weile Code Names, dann gingen die Jungs und ich in die Wellen, Tinu schrieb einen weiteren Bericht. Ein weiter Chäreli kam hupend vorbei, die Rücksitze bis zum Dach mit Wassermelonen belegt. Leider kam nun ziemlich heftiger Wind auf, weswegen alle die Sonnensegel einräumten. Tinu freute sich und nahm gleich das Wing Foil Zeugs hervor. Für uns bedeutete es aber, den Rest des Tages im Auto mit geöffneten Fenstern und Türen oder im Dachzelt zu verbringen, da die Sonne ohne Schattensegel zu stark war. Es war zwar dringend notwendig, mit den Berichten aufzuholen, die ja auch unser Tagebuch sind, aber naja, toll wars nicht gerade. Immerhin hatte Tinu was davon.

Tags darauf, als wir zum Camping mit Waschmaschine bei Chimera fahren wollten, sahen wir im Vorbeifahren, dass nicht weit von uns eine wunderbare Bucht gewesen wäre, umgeben von schattenspendenden Pinien. Ich nagte zugegebenermassen ein bisschen daran. Aber so ist das halt, man liest und lässt sich von anderen erzählen, wo es schön sei, entscheidet sich und liegt dann halt manchmal knapp daneben. Leider gings grad nicht erfolgreicher weiter. Der einzige Campingplatz an diesem sehr touristischen Ort hier, der eine Waschmaschine hatte, war geschlossen. Wir parkten also mal am Strand, um zu überlegen, wie weiter. Dabei kamen wir mit einem türkisch-schweizerischen Paar ins Gespräch, die mit dem Camper hier standen, und dann begann es plötzlich sehr heftig zu regnen. Wir flüchteten ins Auto, spielten - ? Scout & Show, natürlich, und fuhren dann den Weg wieder hoch zu einem Restaurant an einem Fluss, in der Hoffnung auf Regenschutz und Internet, um etwas Schule zu machen und Berichte hochzuladen. Und da sitzen wir nun immer noch, mit Marshmallows in der Tasche, die die Jungs dann hoffentlich heute Abend über den «ewigen Feuern» von Chianmera brutzeln können

Tamara



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