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4 Tage OL in Zagreb


Schon lange fiebere ich auf diesen Moment hin. Endlich kommen wir in Zagreb an. Überall wo wir lang fahren sehen wir die Spuren des Sturmes vom Vortag. Bäume liegen am Boden, Äste und Blätter wo hin man blickt. Was nicht Niet- und Nagelfelst war liegt flach. Noch einmal wird uns bewusst, wie viel Bewahrung wir letzten Abend hatten. Unser Standort war perfekt. Windgeschützt und keine Bäume in unmittelbarer Nähe.

Für einmal lassen wir uns vom Wecker wecken. Um 10.04 ist unsere erste Startzeit am 4-Tage OL im Osten von Zagreb. Wie wird wohl der Wald nach dem Sturm aussehen? Ohne grosse Schwierigkeiten finden wir das Wettkampfzentrum. Der OL scheint solid organisiert zu sein. Es wäre dem Verein zu gönnen gewesen, wenn sich etwas mehr LäuferInnen angemeldet hätten. Dafür ist das kleine Starterfeld sehr international. Die 150 Menschen stammen aus 22 verschiedenen Nationen. Nicht nur aus Kroatien, Finnland, Dänemark und der Schweiz, sondern auch aus Australien, Hongkong, den USA und aus Taipei stammen die TeilnehmerInnen. Unsere Jungs starten viel früher als Tamara und ich. Als wir uns gerade auf den Weg Richtung Start machen, sprinten drei blonde Raketen im Thuner OL-Dress Richtung Ziel. Wir sind glücklich zu sehen, dass es auch Meo geschafft hat. Die Kategorie H10 wurde mangels Teilnehmer mit H12 zusammengelegt. So hatte Meo eine ziemlich anspruchsvolle Bahn zu bewältigen. Zum Glück hat ihn Jon eingeholt und ins Schlepptau genommen. Auf den letzten Metern stösst auch noch Ben zu ihnen. Jon gewinnt den Sprint knapp vor Ben und dem ausgepumpten Meo. Erst im Nachhinein erfahren wir, dass auch der dritte H12 Läufer, David aus Kroatien, im selben Tram mitlief. Auch er wäre noch H10. Der Wald sieht aus wie nach einer Schlacht. So viele Äste und Blätter liegen auf dem Boden, dass viele Wege nur zu erahnen sind. Und wir hatten noch gedacht, sie würden übertreiben, als sie vor dem Start sagten, man erkenne die Wege zum Teil nicht mehr als solche. Mein Lauf ist voller Fehler. Ca. 10 min hätte ich schneller sein sollen. Dies hat trotzdem für den 2. Platz, knapp hinter dem Tagessieger gereicht. Das Niveau scheint nicht all zu hoch zu sein. Auch Tamara kämpft mit den umgestürzten Bäumen. 2 ihrer Posten konnten nicht am richtigen Ort gesetzt werden, da am Standort zu viele umgestürzte Bäume lagen. Die Organisatoren haben aber alles darangesetzt, dass trotzdem ein toller Wettkampf zu Stande kommt. Ben merkt, dass in seiner Kategorie der Sieg nur schwer zu verhindern sein wird, denn der einzige andere Wettkampfer hat schon am ersten Tag über 30 min Rückstand auf seinen Fehlerhaften Lauf. Jon gewinnt vor David, Meo wird dritter. Tamara ebenfalls zweite. Mittagessen gibt’s unter einem noch stehenden Baum neben dem Einkaufszentrum. Den Campingplatz finden wir nach einem kurzen Umweg. Er ist kreisförmig um die Toilettenanlage angelegt und sehr gut besetzt. Eine deutsche und eine portugiesische Familie (Nuno und Angela Pedro), welche auch am OL teilnehmen, übernachten auch hier.



Ähnliches Programm wie am Freitag: früh aufstehen, packen, quer durch die Stadt fahren, für den OL bereitmachen. Bevor der Wettkampf startet gewittert es schon wieder. Die kleine Portugiesin fürchtet sich vor dem Donner im Wald und wird heldenhaft von einem Kroatischen Mädchen mit in den Wald genommen. Ich jogge mit Timo, H60, Uniprofessor, erfahrener OL-Finne, zum Start. Sehr unterhaltsam. Vor lauter plappern verpassen wir zwei Mal den markierten Weg. Der heutige Wald ist weniger in Mitleidenschaft gezogen worden als der gestern. Sehr schneller und flacher Buchenwald mit guter Sicht. Eigentlich wäre es für alle ein toller Wettkampf, wenn nicht Tamara und ich beide einen Misstritt machen würden. Tamara humpelt den Wettkampf fertig, ich kann unter Schmerzen weiterrennen. Mein Rennen war beinahe perfekt. Zwei Mal 30’ Fehler. Auch die Jungs machen ein gutes Rennen. Jon gewinnt vor Meo und David. Ben gewinnt überlegen und beginnt zu jammern, dass die Bahn zu kurz und einfach sei. Tamara erwartet mich sitzend im Ziel mit einem fetten Eisbeutel auf dem Fuss. Mit dem Auto kann sie zurücktransportiert werden. Ich schaffe es zu gehen. Der grosse Vorteil eines kleinen Wettkampfes ist, dass man die Menschen sofort wiedererkennt. Alle kümmern sich rührend um Tamara. Der Plan wäre, neben dem WKZ in einem kleinen Restaurant zu essen. Nach 30 min ohne Bedienung entscheiden wir uns am Jarunsee zu picknicken. Dort lagern die Erwachsenen die Füsse hoch und bitten um Eis in der Kaffeebar, während die Jungs im See baden. Dieser künstlich angelegte See wurde in den 90er Jahren für die Universiade gebaut. Rings um ihn hat es verkehrsfreie Fahrradstrecken, am Ufer verschiedenste Sportstätten. Heute ist er die Badeattraktion und das Naherhohlungsgebiet von Zagreb. Wieder zieht ein heftiges Gewitter auf. Noch einmal brechen Äste ab und weitere Bäum stürzen um. Wir sehen das Gewitter frühzeitig kommen und parken möglichst weit von den Bäumen. So schnell das Gewitter kommt geht es auch wieder. Auf dem Rückweg machen wir im Decathlon halt. Leider hat dieser Stromausfall. Wir verbringen die Wartezeit auf Strom mit «Kombio-Spielen». Doch die Wartezeit dauert länger als erhofft. So fahren wir ohne Einkauf zurück zum Camping. Auch hier stehen nicht mehr alle Bäume gleich wie am Morgen. Tamara kann ihren Fuss kaum belasten. Wohl kein Misstritt sondern eine Prellung durch unglückliches Auftreten auf einen Stein. Ich kann zwar gehen, mein linkes (operiertes) Fussgelenk wächst aber in der Breite. Die deutschen bringen Schmerzsalbe vorbei und Angela entpuppt sich als Ärztin und untersucht und bandagiert Tämis Fuss gekonnt. Langsam dämmert mir, dass der langersehnte Wettkampf bereits nach der Hälfte zu Ende ist. Die Etappe hätte ich mit über 5 min gewonnen. Tamara hat trotz Schmerzenspause im Wald und Humpelei zu den letzten drei Posten noch den 4. Platz belegt. So bleibt uns nichts anderes übrig als das Bett einzurichten und schlafend die Beine hochzulagern.



Am Morgen wird klar, dass die Füsse noch nicht wettkampfttauglich sind. Immerhin kann ich Auto fahren. Die heutige Etappe findet 50 km südwestlich von Zagreb statt. Langdistanz. Wunderschönes Relief, wenige Dickichte. Wegen der vielen Niederschläge in den letzten Tagen ist der Untergrund schön durchnässt. Viele Läufer verlassen den Wald mit deutlichen Schmutzspuren auf ihren Kleidern. Unsere Jungs kommen einmal mehr als erste aus dem Wald. Ben gewinnt erneut mit grossem Vorsprung und jammert über eine weitere «Sprintetappe». Zu Hause wäre H14 deutlich länger und etwas technischer. Jon gewinnt trotz einiger Fehler vor Meo und David. Meo findet alles alleine und wird zweiter. Nach dem Lauf fahren wir nach Karlovac an einen tollen Badeplatz mitten in der Stadt an einem Aareähnlichen Fluss mit sehr wenig Strömung. Es hat sogar einen Sprungturm mit 1-10 m Plattformen. Meo nutzt die Gelegenheit und springt zum ersten Mal vom 10meter. Meo und Jon finden einen «Stangenpark» und machen insgesamt je über 100 Klimmzüge (mit Unterbrüchen). Ein weiteres Gewitter treibt uns ins Auto und auf den Weg zurück auf den Campingplatz. Die humpelnden Eltern haben keine Lust zu kochen, deshalb gehen wir ins wunderschöne und voll besetzte Campingrestaurant. Die Pizza schmeckt überdurchschnittlich gut.

Die letzte Etappe findet im Zentrum von Zagreb statt. Ein verlängerter Sprint. Ich liebäugle damit, wieder zu laufen. Doch auf dem Parkplatz stelle ich fest, dass wir unsere Laufschuhe (Tamara und meine) unter dem Auto plaziert hatten und sie beim wegfahren haben liegen gelassen. Es hilft mir zu akzeptieren, dass der Fuss noch nicht so weit ist. Ben nutzt die Gelegenheit um einen Doppeleinsatz zu laufen. Nach seiner erfolgreichen Strecke nimmt er meinen Badge und die Nummer und gewinnt mal eben die H45 Etappe. Ich kann meinen Stolz nicht ganz verbergen. Jon gewinnt zu 4. Mal und somit auch die Gesamtwertung. Meo holt bereits beim ersten Posten seinen 6 min zuvor gestarteten Gegner, David, ein. Das genügt ihm um diesen in der Gesamtwertung noch zu überholen. Somit wird er hinter Jon zweiter. Die Bahnlegung in der Stadt bietet leider wenig spannendes. Das macht es für mich ein wenig einfacher, dass ich nicht selber laufen konnte. So verlassen wir nach einer erfolgreichen Rangverkündigung mit drei Medaillen die sympathische OL-Gemeinde. Mit den Familien aus Spanien und Finnland tauschen wir die Adressen aus. Da Tamara immer noch sehr langsam läuft besuchen wir nicht einmal die Zagreber Innenstadt und fahren statt dessen noch einmal an den Jaron-See zum Baden und Käfelen. Zurück am Camping nehmen wir unsere vergessenen Schuhe und fahren eine kurze Strecke über die Grenze nach Slovenien. Hier dürfen wir auf einem Gratis-Camping am Rande eines Dorfes übernachten.

Tinu



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