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Izmir – er hat es wieder geschafft


Wieder einmal stellen wir fest, dass die Fahrt länger dauert als angenommen. Viel länger. Obwohl beim Fahren nicht das Gefühl aufkommt langsam zu sein. Die türkischen Strassen sind kein Vergleich zu den albanischen. Auch irgendwo in die Pampa führt eine zweispurige «Autobahn» mit unerwarteten Wendepunkten. Während der Fahrt starten wir den Versuch, eine Autobahnvignette zu kaufen. Die gibt es laut ADAC an den Shell-Tankstellen, bei der PTT und an Autobahnraststätten. In einem der endlosen Vororte Izmirs realisieren wir, dass nicht jede Shell-Tankstelle HGS verkauft – und schon gar nicht, wenn man zum ersten Mal eine kauft und sich erst registrieren muss.

Schnell finden wir einen preiswerten Otopark und marschieren los Richtung Basar. Die Stimmung ist etwas angespannt, denn in der Türkei ist heute Stichwahltag. Schafft es Rezep Erdogan erneut, an der Macht zu bleiben? Mit diversen Menschen sprechen wir über die anstehende Wahl. Die Meinungen sind nie neutral. Man liebt oder hasst den Erdogan. Muslime wählen die meisten für ihn, Freigeister sind sicher auf der Gegenseite. Die Polizei ist allgegenwärtig, nie hat man aber das Gefühl in Gefahr zu sein. In den Einkaufsläden wird an diesem Tag kein Alkohol verkauft – wohl um grössere Ausschreitungen zu unterbinden.

Der Basar von Izmir ist riesig. Obwohl Sonntag (bei Ankunft ca. 17 Uhr) ist, hat jede zweite Gasse ihre Läden geöffnet. Plötzlich fällt mir auf, wie unterschiedlich unsere Familie durch die Gassen läuft: Tamara mit offenem Blick für ungewöhnliches und schönes, für Architektur und Kunst; ich mit offenen Nüstern und knurrendem Magen auf Suche nach preiswertem Essen; die Jungs mit gesenktem Blick in jedes Loch, jeden Wassergraben (häufig mit Metallgitter bedeckt) auf der Suche nach Münzen, welche sie bei Bedarf mit einem Magneten zu bergen versuchen. Sie wissen mittlerweilen, welche Münze wie stark magnetisch ist. Bei zu engen Metallschlitzen wird schnell ein Gitter geöffnet um Zugang zum Geld zu kriegen. Die Blicke der Passanten sind nur den Eltern etwas peinlich. Wir kaufen uns einen günstigen Saft. Für 1-2 Fr kriegt man einen grossen, frisch gepressten Frucht(oder so)saft. Orange, Zitrone, Melone, Banane…. Karotte! oder Atom (alles gemischt). Was in Izmir nicht fehlen darf ist ein Abendspaziergang am Meer. Dort spielt das Leben. Wir kaufen gedämpftes Mais mit viel Salz, Ketchup und Mayonnaise im Plastikbecher. Eigentlich wollen wir in ein Restaurant. Der Lonely Planet empfiehlt eines besonders, finden tun wir es trotzdem nicht. In einer sehr touristisch anmutenden Seitengasse finden wir ein kleines Lokal, welches alle Geschmäcker von Hamburger über Pilzomelett bis zum Thonsalat befriedigt. Noch besser ist das erste Dessert: Izmir Bomba! Heisse Schokolade in einem Teigmantel gehüllt. Dessert zwei können wir nicht widerstehen, weil eine andere Bäckerei so verlockende Süssspeisen ausgestellt hat. Baklava in allen Geschmachsorten. Besonders die Baumnussmischung tut es uns an.

Auf der Strasse startet ein ganz anderes Schauspiel. Wie nach einem Sieg an der Weltmeisterschaft sitzt jeder zweite Bürger ins Auto, nimmt eine Türkeifahne mit und hupt durch die Gassen was das Zeug hält. Wir brauchen ziemlich lange um herauszufinden, wer denn nun die Wahl gewonnen hat. Scheisse… er hat es wieder geschaft. 52 : 48 %. Die Verlierer sind sich sicher, dass das Resultat nicht stimmen kann. So viel wissen wir über Vor- und Nachteile der Widersacher auch nicht als dass wir ernsthaft enttäuscht sind. Somit geniessen wir die fröhliche Feststimmung auf den Strassen. Ausschreitungen scheint es in unserer Umgebung keine zu geben.

Wir fahren noch einige km aus Izmir weg, versuchen eine weitere Autobahnraststätte zwecks HSG (wieder erfolglos, mit dem Hinweis, dass nur die PTT eine Registration für die Autobahnvignette machen könne).

Bei kompletter Dunkelheit stellen wir unser Auto auf einen zweifelhaften Parkplatz mit grossen Pfützen und Löchern um die Nacht zu verbringen, denn hier, hatte man uns gesagt, habe es eine heisse Quelle in einem uralten Steinhäuschen.

Wir sind hier auf dem Parkplatz für Kitesurfer (was für ein Glück). Und das Beste daran – der Vorschlag kam nicht von mir. Wir brauchen nicht lange nach dem Steinhäuschen zu suchen. 100 m Luftlinie über einen dünnen, seichten Meeresarm waten wir durch Sumpf und Algen zum wunderschönen Steinhäuschen. Leider - wie fast immer – versaut mit Müll. Dafür ist das Wasser glasklar und herrlich warm. Nach 90 min machen Tamara und ich einen Rückzug – die Jungs bleiben 3 weitere Stunden??? Nach dem späten Mittagessen mache ich das Wingfoil Zeugs bereit. Die Kiter sind schon seit 08.30 Uhr ihre Längen am sausen. Für sie sind die Bedingungen perfekt, da stehtief. Ich muss die Nordseite der Bucht ansteuern, da dort das Wasser etwas tiefer ist. Tamara gefällt der öde Patz nicht sonderlich, sie verzeiht sich an die Bar, um Berichte zu schreiben, und die Jungs verziehen sich für den Rest des Tages ins Badehäuschen. Diesmal bekommen sie noch Gesellschaft von ein paar jungen Türken. Der Wind wäre ziemlich gut und konstant, Wellengang zunehmend. Ich kann mehrere Minuten auf dem Brett stehen ohne hinzufallen. Aber mit foilen will es nicht so recht klappen. Nie länger als 4 Sekunden schaffe ich es oben zu bleiben. Leider flaut der Wind gegen Abend etwas ab. Wo liegt wohl das Problem? Ist das Foil zu weit vorne oder hinten positioniert? Pumpe ich zu wenig effizient? Wie gerne hätte ich in diesem Moment einen Experten, welcher mir etwas auf die Sprünge hilft. Nach dem Abendessen machen wir uns noch einmal auf zum Steinhäuschen auf. Erst um 23 Uhr schaffen wir uns vom herrlichen Wasser zu lösen. Das abschliessende waten durch das Knie – bis Brusttiefe Wasser mit sandig bis schlammigem Untergrund regt sämtliche Fantasien an. Schlangen, Monster und Riesenfische könnten jeden Moment auftauchen und uns die Zehen wegknabbern. Gelohnt hat es sich trotzdem!

Tinu





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