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  • tamarautinu

Post Vjosa

Euphorisch, erleichtert und dankbar fahren wir in die nächste Ortschaft auf der Suche nach Kaffee und Frühstück, denn, wer hätte es gedacht, es regnet und stürmt weiterhin. In dem Café, in dem wir uns niederlassen, gibt es nichts zu essen, aber die Besitzerin scheint nichts dagegen zu haben, dass ich einen Market suche und mit Zwieback, Joghurt und Konfitüre zurückkomme. Schlechtwetterschule ist angesagt, die Motivation der Jungs mässig. Nach einer Weile wechseln wir das Café mit der Auflage, dass sie nun besser mitmachen müssen, was einigermassen klappt. Anfangs Nachmittag fahren wir weiter, das Wetter und die Stimmung einigermassen trüb. In einem kleinen Bergdorf halten wir an, um zu kochen, und suchen vor einer Garage Schutz vor dem Wind. Bald taucht eine Frau auf und meint (zumindest interpretieren wir ihr Albanisch so), dass wir bei diesem Wind doch nicht hier draussen kochen könnten. Wir folgen ihr und sie führt uns in ihre Küche, stellt den Herd an und deutet mir, ich solle hier kochen. Gerührt nehmen wir das Angebot an und ich koche unter ihren wachsamen Augen Zucchini und Reis, wobei sie durchaus mitdenkt und alles albanisch kommentiert. Sie bietet mir eingelegte, scharfe grüne Peperoni an, das würde für mehr Geschmack sorgen, Salz brauche es doch auch noch und ob ich einen Kaffee trinken würde dazu? Dann tischt sie noch Brot auf und den selbstgemachten Ziegenkäse und wir essen vor den Augen der Grossmutter, des Jungen und von ihr im Wohnzimmer unser Mittagessen, während sie an den von uns angebotenen Keksen knabbern und auf dem Fernsehbildschirm die Aufnahmen der Überwachungskamera zu sehen sind, unterstrichen vom scheppernden Sound, den die Oma via Youtube auf ihrem Handy abspielt. Wir werden noch mit einem geschnitzten Holzspatel beschenkt und schenken ihnen unsererseits einen Viktorinox Schnitzer, dann bedanken wir uns nochmals und fahren ein Stück weiter, wo wir unweit der Strasse unser Lager aufschlagen, ein bisschen die Hügel erkunden und dann die Ziegen, Schafe und Hirten bewundern, die abends und auch am nächsten Morgen wieder an uns vorbeiziehen. Das ist etwas, was und in diesen Ländern schon mehrmals aufgefallen ist: nur wenige Kühe, wenn, dann meistens nur einzelne, die entweder in einem Garten oder auf einem Kreisel grasen, oder von einem älteren Herrn begleitet spazieren grasen. Dafür immer und überall Ziegen- und Schafherden. Auch nicht riesengross, aber sowohl am Stadtrand wie mitten in den Bergen, auf Schotterpisten genauso wie auf neu geteerten Schnellstrassen (zugegeben, die sind selten, aber auch dort muss man plötzlich abbremsen, weil ein Hirte grad die ebene Passage nutzt und mit seinen hundert Tieren die Strasse ausfüllt).



Am nächsten Tag fahren wir nur ein kleines Stück zu einem Canyon, den wir zu Fuss erkunden. Durch die vielen Niederschläge ist das Wasser leider ganz trüb, stürzt sich aber recht spektakulär durch die Felsen in die Tiefe. Wir treffen wieder auf Frösche in Pfützen (Zitat: Hallloooo, mini Fründe!) Die Magerwiese ist voller Blumen, Schmetterlinge und Käfer. Löwenzahnwüsten, wie wir sie von daheim gewohnt sind, sahen wir auf der ganzen Reise keine einzige. Dafür eine Vielfalt an Blüten. Manche Felder blühen rosa, wohl eine Art Storchenschnabel, manche violett mit etwas Salbei-ähnlichem, Kamille blüht, wilde Wicken und Kefen. In Montenegro blühten Iris sowohl am Strassenrand wie auch in Berghängen und verwilderten Friedhöfen. Die Strassenränder sind nicht kahlrasiert, sondern blühen wild durcheinander. Und blühende Disteln fast überall. In Griechenland fallen die vielen Kleesorten auf. Und Silberlinge hats zwar nicht wie Sand am Meer aber doch viiel häufiger als bei uns. All das zeigt sich dann natürlich auch in den vielen Käfern, Grashüpfern und Schmetterlingen. Und man merkt es an den Autoscheiben. Wann müssen wir zu Hause schon das Auto wegen Insekten putzen? Eigentlich nie. Höchstens mal in den Ferien im Engadin. Hier machen wir das regelmässig. Und dass wir schon an unzähligen Übernachtungsplätzen Schwalben und Fledermäuse sahen, steht sicher in direktem Zusammenhang damit.


Nach diesem Ausflug geht’s Richtung Küste. Unterwegs halten wir an einem wunderschönen Fluss für eine Mittagspause


Am langen Strand von Borsh könnte man wild campen, aber vom Hügel aus sieht er so gar nicht attraktiv aus. Wir kaufen sauteure Milch und fahren weiter zum Buneci Beach. Nach einer holprigen Fahrt durch Olivenbäume kommen wir ans Meer, wo ein paar Bars stehen. Bei der hintersten darf man gratis auf dem Parkplatz übernachten. Wir parkieren neben den Briten, die dort schon stehen, und sammeln Treibholz, um Kochen zu können (wir haben noch immer nicht das passende Gas gefunden). Es ist eine befriedigende Art, zu kochen und sorgt für schöne Stimmung am Abend.

Da am nächsten Tag endlich mal die Sonne scheint, beschliessen wir, einen Tag hier zu bleiben. Ein bisschen waschen, schwimmen, Solarstrom produzieren und damit Akkus aufladen, kochen und backen auf dem Feuer (versuche mich nochmals an den Zimtschnecken), etwas Schule, Berichte schreiben, mit den Briten schwatzen, lesen, joggen, Popcorn auf dem Feuer am Abend.



Am Freitag geht’s dann weiter nach Ksamil, unterwegs müssen wir noch einkaufen. Und was finden wir, zu einem Zeitpunkt, zu dem wir es gar nicht erwarten? Gas. Mit Drehverschluss. In gepunktetem Retro-design. Wir kaufen gleich 6 Stück. Danach machen wir einen Abstecher zu den Ausgrabungen von Finiq, doch als die Jungs alle über Kopfweh und Meo, der sich das sehr gerne angesehen hätte, über Übelkeit beklagen, brechen wir ab und fahren stattdessen ein Stück weiter zum Blue Eye, vom dem wir uns etwas Schatten und Kühle für die schmerzenden Köpfe erhoffen. Kyri i Salter ist ungemein touristisch, aber das Wasser aus dieser grossen Quelle unbestreitbar unglaublich klar, und die Menge an Wasser, die da einfach aus dem Boden strömt, eindrücklich. Beim Pic Nic im Schatten erholen sich die Jungs und wir fahren das letzte Stück nach Ksamil, wo wir am kleinen, sehr touristischen Strand einen Kübel Eis essen und dann ein bisschen aus dem Ort hinaus zu unserem nächsten Übernachtungsplatz fahren. Eine kleine Bucht mit Bar, oben 2-3 Stellplätze unter Olivenbäumen, ein deutscher Camper und ein deutscher Van stehen schon da. Nach dem Abendessen hängen wir die schönen Lämpchen auf und jassen mit den Jungs, ich versuche mich mal an Overnight Oats, da es nicht immer ganz einfach ist, Müesli zu vernünftigen Preisen zu finden. Und wie wir so dasitzen, vor uns das plätschernde Meer, über uns der Himmel und die Olivenbäume, gehts plötzlich los: Bumbumbum in unglaublicher Lautstärke, und das, obwohl die Party am anderen Ende von Ksamil stattfindet (man kann die Scheinwerfer sehen). Oh my goodness! Ob das hier jedes Wochenende so ist oder ob es was mit all den hupenden und grölenden Jugendlichen zu tun hat, die wir tagsüber schon immer wieder gesehen haben, wissen wir nicht. Aber ich bin dankbar, als es um Mitternacht ganz plötzlich und unerwartet still wird.


Am nächsten Tag möchten Jon und Meo, wie eigentlich fast immer, noch eine weitere Nacht bleiben (das ist ein sehr schönes Phänomen auf dieser Reise: die Jungs finden an unseren Übernachtungsplätzen immer was Schönes oder Spannendes. Immer gäbe es noch was zu entdecken oder eine Arbeit zu beenden – Wasser stauen oder umleiten, passende Scherben für ein Spiel finden, Angelschnur basteln…der Platz kann in unseren Augen noch so uncharmant sein – Meo und Jon finden sicher was, das richtig toll ist) aber wir fahren weiter, nur kurz, bis Butrint, eine grosse Ausgrabungsstätte. Wir fahren um die letzte Kurve und landen auf einen Schlag im absoluten Chaos. Autos im Wald irgendwie parkiert, hunderte von Leuten, auffällig viele Jugendliche (wohl auf einem Pflichtbesuch), ca 10 Reisebusse, halb ineinander verkeilt, dazwischen zwei trillerpfeifende und schreiende Polizisten. Auch wir parkieren irgendwo im Gras und quetschen uns durch das Durcheinander nach vorne, wo wir die Schlange vor dem Eingang entdecken. Wollen wir und das wirklich antun? Es wird jedoch schnell klar, dass Meo sehr enttäuscht wäre, wenn schon wieder nichts aus ärchologischen Fundstücken würde, und wir stellen uns an. Zum Glück verteilen sich die Massen dann auf dem Gelände einigermassen. Leider sind die verschiedenen Orte nicht wirklich aufschlussreich beschildert, aber insgesamt gibt es doch was zu sehen. Zum Glück für Meo kommt gegen Ende noch ein Museum mit all den Münzen und Amphoren, die gefunden wurden, und zum Glück für Jon schwimmen im Wasser unter einer Brücke Schildkröten, die ihm sogar in den Finger beissen. Wieder draussen holt Tinu das Auto und wir setzen mit der prekären Fähre über, die wir schon in der Mittelmeerdoku mit Mona Vetsch gesehen hatten. Von dort ist es dann nicht mehr weit bis zur Grenze nach Griechenland. Wir kochen am Strassenrand, tanken noch für die letzten Lek, verbrauchen noch schnell ein paar mobile Daten und wechseln dann das Land. Ursprünglich wollte Tinu hier eine Weile surfen, doch seit dem Loblied der Briten auf die Türkei ist er nun der Meinung, dass wir möglichst schnell in die Türkei sollten. Ausserdem regnet es schon wieder. Wir fahren also ins Inland, Grobrichtung Meteora. Seit langem gibt es wieder mal eine Autobahn, und sie hat auch keine Schlaglöcher, trotzdem zieht sich die Fahrt. Als wir die Autobahn verlassen, ist es schon 18.30. Wir hatten eigentlich noch ein Stück weiter an einen See fahren wollen, doch als wir nun sehen, dass der Weg wohl über einen Berg führt, fragen wir uns, ob das nicht zu lange dauert. Tinu biegt also von der Schnellstrasse auf einen Feldweg ab und will dort stehen bleiben. Ich finde es höchst unanständig, mitten auf dem Weg zu übernachten; man weiss ja nie, wie oft der Weg noch benutzt wird. Wir fahren also noch ein kleines Stück und sehen dann, dass man etwas weiter unten neben der Strasse parkieren kann. Wir sammeln Holz und kochen, die Jungs sind ganz begeistert vom Fladenbrot, wir bleiben noch eine Weile sitzen, die Jungs wollen zum Abwaschen ihre Dödel-playlist hören. Als wir in die Schlafsäcke kriechen, sagt Tinu noch; « Falls es heute Nacht regnet, haben wir ein Problem». Und wie könnte es anders sein mit unserem Wetterglück? Im Morgengrauen beginnt es zu regnen..

Tamara

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