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  • tamarautinu

Wann ist ein Stellplatz ein guter Stellplatz?

Schon lange freuen wir uns auf die Vjosa: ein Fluss, so wild wie es die Gürbe auf den naturgeschützten 700 m oberhalb von Wattenwil ist – einfach sehr, sehr viel breiter und länger. Genau genommen ist sie den ganzen Fluss lang wild. Der Platz unserer Wahl liegt oberhalb von Tepelenë, dort wo Vjosa und Drino zusammenfliessen. Das Flussbett erstreckt sich über den ganzen Talboden. Mindestens ein Kilometer breit. Nichts als Steine, Büsche, Bachläufe und Kühe, welche in der zaunlosen Wildnis grasen. Der Platz hat ein kleines «aber»: im Beschrieb auf Park4Night stehen folgende Kommentare:

- Direkt an der Strasse auf einem schönen Schotterweg. Wir mussten eine kleine 20 cm tiefe Quelle überqueren. Kein Problem mit einem Wohnmobil. Haltet es sauber. JanineSH4 Bewertung: 5/5*

- The area ist very big and you can find many nice spots. If you drive unitil the end oft he «road», there’s a nice spot betwee trees near the river bank. cpohl 5/5 *

- Ganz toller Platz….ohne Allrad und das entsprechende Auto würde ich hier nicht hin fahren. 5/5*

- It’s nice, plenty of spots in the shade. Be careful not to get stuck in the sand. Ecarson360 5/5*

- Blieben gleich am Eingang komplett stecken im Schlamm und kamen dann die Schotterpiste nicht wieder hoch, wissen bis jetzt nicht wie wir hier wieder rauskommen sollen. Lieber lassen. mometzgerpark 1/5*

- Leider war direkt am Anfang eine grosse Wasserpfütze durch die wir uns nicht getraut haben zu fahren. Auch der Kies war sehr locker und hatte viele Furchen. Seid vorsichtig, wenn es geregnet hat oder regnen soll. Ist aber eine sehr schöne Gegend. JanaMagula 2/5*


Bei diesen unterschiedlichen Meinungen scheint mir eine Erkundung zu Fuss sinnvoll. Der Feldweg sinkt gemütlich Richtung Ebene, dann etwas weniger gemütlich einen Abhang hinunter mit kritisch tiefen Wasserrillen. Das sollten wir dank genügend Bodenfreiheit und etwas Tempo und gutem Gripp schaffen. Auch beim Rückweg. Dann folgt die «Quelle». Vier Mal wate ich hindurch. 40 cm Wassertiefe mit rel. festem Untergrund. Google meint, dass ein durchschnittliches Auto 40 cm Wassertiefe schafft. Unser T5 ist überdurchschnittlich. Dann kommt Schlamm, der aber recht trocken ist. Kein Problem für uns. Und dann kommt das lose Kies, welches von nahe betrachtet gar nicht so lose scheint. Der Wetterbericht für den Abend und die Nacht sagt wenig Regen am Abend voraus, dann eine trockene Nacht. Das sollte gut genug sein, auch wenn der Wetterbericht in der Vergangenheit nicht immer der zuverlässigste war. Ich entscheide, dass wir das schaffen können.

Die Fahrt nach unten ist ein Vergnügen. Locker umkurve ich die schlechten Fahrrillen, die Quelle netzt nicht einmal die Hälfte des Rades, den trockenen Schlamm bemerke ich gar nicht und das lose Flussbett ist hart und unnachgiebig. Ganz vorne am Fluss parken wir mit herrlicher Aussicht. Einfach nur schön. In weniger als 5 min haben wir genügend Feuerholz gesammelt um darauf zu kochen. Das alte Schwemmholz ist so trocken, dass 2 sec. Feuerzeug hinhalten dieses zum Brennen bringt. Herrlich. Der aufkommende Wind trägt das Seine dazu bei, dass ich nicht einmal pusten muss. Allerdings muss ich auch darauf achten, dass die starken Windböen nicht Sand in den Topf blasen. Die Jungs machen sich einen Spass daraus auf die jungen Bäume zu klettern und im immer stärker werdenden Wind geschüttelt zu werden. Tamara verzieht sich mit Meo ins Auto, weil der Wind zu nimmt. Massiv zu nimmt. Wir überlegen uns das Auto zu Gunsten einer windoptimierten Position zu drehen. Und löschen bald das Feuer aus, weil der Wind so stark wird, dass wir den Funkenflug nicht kontrollieren können. Bleibt nur noch die Flucht in den Schlafsack und die Hoffnung, dass am Morgen die Sonne scheint. Einige trockenen Stücke Holz deponieren wir, clever wie wir sind unter dem Auto, damit wir bei allfälligem Regen am Morgen trockenes Holz haben.

Im Schlafsack ist es leider nicht ganz so gemütlich wie erhofft. Der Wind schüttelt den VW. Und gelegentlich weckt mich das tropfen auf Dach und Scheiben. Um fünf am Morgen regnet es so richtig. Dauerhaft. Und immer stärker. Weiterschlafen und hoffen. Ich werde etwas nervös. Könnte der Flusspegel unerwartet steigen? Sechs Uhr. Wie kommen wir durch die «kleine» Pfütze? Wie sieht das steile Stück Weg mit Wasserrinnen aus? Weiterschlafen versuchen. Um sieben Uhr wecken wir die Jungs aus dem sorglosen Tiefschlaf und bitten sie, sich anzuziehen und die Taschen zu packen, dass wir die erste Trockenheit für einen Fluchtversuch nutzen können. Um acht Uhr hört es so lange auf zu regnen, dass wir beschliessen, es zu versuchen. Kaum sind alle aus den Schlafsäcken nach draussen gekrochen fängt es wieder an zu regnen. Scheisse! Wir versuchen es trotzdem – schliesslich bin ich als Sportlehrer ein überdurchschnittlich guter Fahrer. Nach 20 Metern dreht das rechte Vorderrad durch. Der aufgeweichte Kies lag fies auf einer gut getarnten, schleimigen Schlammschicht. Alle aussteigen und schieben. Die Räder vergraben sich tiefer. 4x4 wäre wohl doch nicht schlecht. Zum Glück haben wir eine Militärschaufel dabei. Spur ausgraben, flache Steine zur Befestigung suchen. Nächster Versuch. Nach drei Mal «waupelen» bewegt sich das Auto aus der Falle. Um kein Tempo zu verlieren fahre ich den Schieber/Innen davon, schlittere über die aufgeweichte Schlammstelle. Die Pfütze hat sich in ein ausgewachsenes Bachbett verwandelt. Soll ich im Schlamm anhalte und die Situation zu Fuss erkunden? Um dann im Pflütter nicht mehr anfahren zu können. Nein! Unser Auto ist überdurchschnittlich. So schnell der holprige Pfad es zulässt fahre ich mit unserem STRASSENAuto auf den Bach zu. Augen zu und durch. Geschafft. Die Steigung wird immer steiler. Die Fahrrinnen sind erstaunlicherweise über Nacht nicht kleiner geworden. Und das Gras, welches am Vortag so hervorragenden Halt geboten hat bietet auf der darunterliegenden Humusschicht kaum Halt. Irgendwie schafft unser braves, viel zu selten gelobtes Auto die glitschige Steigung. Bravo Auto. Ich steige, etwas zittrig aus dem Auto und Juble.

Noch Stunden später, längstens in einem trockenen, windgeschützten Strassenkaffee, steckt mir der Schrecken noch in den Knochen. Was, wenn wir im Kies stecken geblieben wären? Was, wenn der Bach zu tief gewesen wäre. Was, wenn das Auto nicht so gut die Steigung hochgekommen wäre? Und vor allem: was, wenn die Vjosa tatsächlich angestiegen wäre? «Vom Dümmsten kann man etwas lernen! » hat mal ein intelligenter Mann gesagt.

- «…ohne Allrad und das entsprechende Auto würde ich hier nicht hin fahren…»

- «Be careful not to get stuck in the sand…»

- «Blieben gleich am Eingang komplett stecken in Schlamm und kamen dann die Schotterpiste nicht wieder hoch»

- «Seid vorsichtig, wenn es geregnet hat oder regnen soll»


Ich entschuldige mich bei all den Park4Night-UserInnen, welche den Dummen gewarnt hätten. Nächstes Mal…. würde ich es vielleicht genau gleich tun, denn diesen Platz werden wir ein Leben lang nicht mehr vergessen. Wie würde ich den Stellplatz auf Park4Night bewerten?

- Unglaublich schöner Platz direkt am Flussufer. 4x4 sehr empfehlenswert. Nur bei trockenem Wetter und zuverlässigem Wetterbericht hinunterfahren. Überschätz eure Fahrkünste nicht. Auch nicht, wenn ihr Sportlehrer seid.

Unit09 5/5*


vor dem Regen:



nach dem Regen:



51 Ansichten1 Kommentar

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1 Comment


joedi
May 18, 2023

Wirklich wunderschön und offebnar sehr abenteuerlich. Ä 4X4 wäre schon gut....😂 Härzliga Gruess usem chüelä Gurzelä, Peti

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